Ratsturm von Hermannstadt: der Turm zwischen Großem und Kleinem Ring
Der Ratsturm (rumänisch Turnul Sfatului) von Sibiu (Hermannstadt) erhebt sich zwischen dem Großen Ring (Piața Mare) und dem Kleinen Ring (Piața Mică) im historischen Zentrum Siebenbürgens. Im 13. Jahrhundert als Tor begonnen, beherbergte er später den Stadtrat; heute zeigt er Ausstellungen und bietet eine Aussichtsebene, eine der Sehenswürdigkeiten in Hermannstadt.
Im Februar 1585 stürzten die oberen Geschosse des Ratsturms von Sibiu ein und begruben einen Maler, der das Gewölbe ausmalte. Binnen drei Jahren war der Turm wiederaufgebaut; heute ist er das Wahrzeichen der Stadt.
Die Geschichte des Ratsturms von Hermannstadt
Der Ratsturm stammt aus dem 13. Jahrhundert. Er wurde als Eingangstor des zweiten Befestigungsrings des mittelalterlichen Hermannstadt errichtet, der in die Jahre 1224–1241 datiert wird. Im Verteidigungsgraben dieses Rings fanden Archäologen eine Münze aus der Regierungszeit des ungarischen Königs Andreas II. (1205–1235). Unmittelbar neben dem Turm stand das Gebäude des Rathauses, das 1324 erstmals urkundlich erwähnt ist.
Ab dem 15. Jahrhundert belegen Dokumente, wie der Stadtrat arbeitete; er war damals bereits aus seinem alten Sitz in den Turm umgezogen. Als Verbindung zwischen den beiden Hauptplätzen der Stadt war der Turm der günstigere Ort. Der Rat bestand aus einem Bürgermeister und mehreren Ratsherren. Vom ursprünglichen Bau ist nur der Kern bis zur Höhe des ersten Obergeschosses erhalten; der Turm wurde mehrfach aufgestockt und umgebaut und schließlich in eine Gruppe von Gebäuden einbezogen.
Am 17. Februar 1585 stürzten die oberen Geschosse des Turms ein und begruben den Maler Johann David, der gerade das Gewölbe ausmalte, unter den Mauern. Zwischen 1586 und 1588 folgte ein umfassender Wiederaufbau. Über dem Durchgang zwischen den beiden Plätzen hält eine lateinische Steintafel bis heute fest, dass der Turm am 3. August 1588 vollständig fertiggestellt wurde.
Das Dach änderte im Lauf der Zeit seine Form. Es war eine spitze Pyramide mit vier Ecktürmchen, die 1719 repariert wurde; 1750 beschloss man, sie durch ein billigeres, niedrigeres Dach zu ersetzen, und ein Aquarell von 1789 zeigt eine flache Pyramide mit geknickter Dachlinie. Zwischen 1824 und 1826 kam das letzte Geschoss hinzu, und das Dach erhielt seine heutige zwiebelförmige Gestalt. 1930 wurde neben dem ersten ein zweiter Durchgang geöffnet. 1961–1962 wurde der Turm vollständig restauriert, und von 1962 bis 1998 beherbergte er eine Abteilung mit mittelalterlichen Exponaten des Brukenthal-Museums. Heute dient er für Ausstellungen und als Aussichtspunkt.
Kuriositäten rund um den Ratsturm von Hermannstadt
- Als am 17. Februar 1585 die oberen Geschosse einstürzten, wurde der Maler Johann David, der gerade das Gewölbe bemalte, unter den Mauern begraben.
- Eine lateinische Inschrift über dem Durchgang hält fest, dass der wiederaufgebaute Turm am 3. August 1588 fertig war.
- In den Strebepfeilern der Südseite sitzen zwei Löwen im Relief. Man hielt sie lange für Teile des ursprünglichen Turms, doch sie scheinen in der Renaissance, im letzten Drittel des 16. Jahrhunderts, entstanden zu sein.
- Im Lauf der Jahrhunderte war der Turm Torturm, Getreidespeicher, Feuerwachturm, Gefängnis und um die Mitte des 19. Jahrhunderts auch Naturkundemuseum.
- Der Turm gilt als das bekannteste Gebäude von Hermannstadt, das 2007 Europäische Kulturhauptstadt war, und erscheint auf Souvenirs und in der Werbung für die Stadt.
- Eine zweisprachige Tafel am Turm erinnert an den Besuch von Staatschefs beim Gipfel der südosteuropäischen Staaten, der am 7. und 8. Juni 2007 in Bukarest und Sibiu stattfand.
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Den Ratsturm von Hermannstadt besuchen: Das lohnt sich
- Der gewölbte Durchgang im Erdgeschoss, der den Kleinen und den Großen Ring verbindet, ist das frühere Tor des zweiten Mauerrings.
- Der Zugang zum Turm erfolgt durch eine kleine Tür am Kleinen Ring; eine enge Wendeltreppe führt in die oberen Geschosse.
- Das Uhrwerk befindet sich im sechsten Stock, mit Zifferblättern an allen vier Seiten, und die oberste Ebene ist ein Aussichtspunkt über die Altstadt und die Gipfel des Făgăraș-Gebirges.
- Die Lügenbrücke liegt gleich neben dem Turm, die Kirchenburg Roșia etwa 13 km entfernt.
- Die Zugangsregelungen können sich ändern; prüfen Sie daher vor der Anreise die aktuellen Öffnungszeiten.
Öffnungszeiten, Zugang und Bedingungen können sich ändern. Bitte vorab prüfen.
Karte: Lage von Ratsturm von Sibiu (Hermannstadt)
Karte: © OpenStreetMap-Mitwirkende
Fotos: Ratsturm von Sibiu (Hermannstadt)





Fragen
Wo liegt der Ratsturm von Hermannstadt?
Er steht im historischen Zentrum von Sibiu (Hermannstadt) in Siebenbürgen, zwischen dem Großen Ring (Piața Mare) und dem Kleinen Ring (Piața Mică), die er verbindet. Die Adresse lautet Piața Mică Nr. 1.
Wann wurde der Ratsturm von Hermannstadt gebaut?
Er wurde im 13. Jahrhundert als Tor des zweiten Befestigungsrings errichtet. 1585 stürzte er teilweise ein und wurde 1586–1588 wiederaufgebaut.
Wozu diente der Ratsturm?
Er war Torturm, Sitz des Stadtrats, Getreidespeicher, Feuerwachturm, Gefängnis, Naturkundemuseum und von 1962 bis 1998 Teil des Brukenthal-Museums. Heute beherbergt er Ausstellungen und einen Aussichtspunkt.
Kann man auf den Ratsturm von Hermannstadt steigen?
Ja: Eine enge Wendeltreppe führt von einer kleinen Tür am Kleinen Ring in die oberen Geschosse, wo die oberste Ebene einen Blick auf die Stadt und das Făgăraș-Gebirge bietet. Prüfen Sie vor der Anreise die aktuellen Öffnungszeiten.
Warum ist der Ratsturm das Wahrzeichen von Hermannstadt?
Er gilt als das bekannteste Gebäude der Stadt und steht genau zwischen den beiden Hauptplätzen. Er erscheint häufig auf Souvenirs und in der Werbung für Sibiu.
Was gibt es in der Nähe des Ratsturms zu sehen?
Die Lügenbrücke liegt direkt daneben. Die Kirchenburg Roșia ist etwa 13 km entfernt, das Kloster Cârța etwa 32 km und die Kirchenburg Valea Viilor etwa 33 km.
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