Uhrturm von Giurgiu: der osmanische Wachturm im Herzen der Stadt
Der Uhrturm von Giurgiu (Turnul cu ceas) ist ein 22 Meter hoher Turm im Zentrum von Giurgiu, der rumänischen Hafenstadt an der Donau gegenüber von Bulgarien. Die Osmanen errichteten ihn als Wachturm, später diente er als Feuerwachturm und Uhrturm; er ist das Wahrzeichen der Stadt und erscheint im Wappen des Kreises.
Man erzählte sich lange von Tunneln, die vom Turm zu den alten Stadtmauern führen sollten, doch Grabungen der 2000er Jahre fanden keinen. Sie fanden etwas anderes: das verschollene Original-Uhrwerk.
Die Geschichte des Uhrturms von Giurgiu
Giurgiu liegt an der Donau, die hier die Grenze zu Bulgarien bildet, und diese Lage machte die Stadt in osmanischer Zeit zu einem strategischen Punkt. Nach englischsprachigen Quellen begannen die Osmanen den Turm 1770 und stellten ihn 1771 fertig, in der Zeit der russisch-österreichisch-türkischen Kriege, als militärischen Beobachtungsposten über Stadt und Fluss. Eine Gründungsurkunde ist nicht erhalten. Der Entwurf wird einem unbekannten europäischen Ingenieur zugeschrieben, der im Militärstil seiner Zeit arbeitete. Örtliche Vermutungen, genuesische Gründer hätten den Turm errichtet oder er sei als Minarett begonnen worden, haben Forscher des Museums „Teohari Antonescu“ zurückgewiesen. Ähnliche Türme entstanden in Gebieten des heutigen Bulgarien, Albanien und Serbien, die meisten wurden jedoch später zerstört.
In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts änderte der Turm seine Aufgabe. Eine Uhr wurde angebracht, und das Gebäude erhielt sein heutiges Gesamtbild. 1836 genehmigte das Rathaus Reparaturen am Turm, der damals überwiegend aus Stein und Holz bestand, in Form einer sechseckigen Pyramide, 22 Meter hoch und etwa 5 Meter breit. Im selben Jahr wurde er als Lager für Feuerwehrgerät genutzt, ein erster Schritt zur Gründung einer Feuerwehr in der Stadt; 1837 besetzte die Polizei die Räume um den Turm. Das älteste bekannte Bild des Turms ist eine Zeichnung des französischen Malers Auguste Raffet von 1837, der die wissenschaftliche Expedition des Grafen Anatole Demidoff begleitete. 1883 wurde der Steinturm repariert und seine Spitze erhöht. Die Glocke hielt bis 1885: Sie war eine von drei Bronzeglocken der Nikolauskirche, gegossen aus der Bronze der 1829 von den Russen bei Silistra eroberten Kanonen, und wurde später in Bukarest unter König Carol I. eingeschmolzen und größer neu gegossen.
Der Turm prägte auch die Stadt um ihn herum. Der österreichische Ingenieur Moritz von Ott, Verfasser des ersten amtlichen Stadtplans von 1832, setzte den Turm in den Mittelpunkt seines Entwurfs, mit einem kreisrunden Platz, den die Einwohner „Untertasse mit Linden“ nannten. Um 1877 führten die Planer, als die Stadt wuchs, einen von Paris inspirierten Sternplan ein, mit dem Turm im Zentrum und den Hauptstraßen, die von ihm ausgehen. Im Ersten Weltkrieg, als Giurgiu besetzt war, brannte ein großer Teil der Stadt nieder, und die oberen Geschosse des Turms gingen verloren. Der Turm wurde renoviert, stand 1932 erneut ohne Dach da und wurde 1934 vom Architekten Horia Teodoru noch einmal renoviert. Mit 22 Metern blieb er bis in die kommunistische Zeit das höchste Gebäude der Stadt, bis ihn ein Wohnblock übertraf.
Nach 1989 wurde der Turm erneut untersucht, und zwischen 2001 und 2007 wurde er gesichert: Das Fundament wurde verstärkt, das Tragwerk mit Beton ertüchtigt und der obere Teil noch einmal neu aufgebaut. Dabei prüften örtliche Forscher auch die alte Legende von den Tunneln unter dem Turm und gruben rund um seinen Sockel. Sie fanden keine. 2005 stießen Arbeiter dagegen auf das originale Uhrwerk, das sie beinahe als Müll weggeworfen hätten. Es befindet sich heute im Museum „Teohari Antonescu“ in Giurgiu. Heute ist der Turm ein Orientierungspunkt der Stadt auf einem neu gestalteten Platz mit Cafés und Restaurants und ein Symbol von Stadt und Kreis.
Kuriositäten rund um den Uhrturm von Giurgiu
- Der Turm ist leicht geneigt und 22 Meter hoch, was die englischsprachige Wikipedia als einzigartig in Südosteuropa bezeichnet.
- Die Legende von Tunneln vom Turm zu den alten Stadtmauern wurde bei den Arbeiten 2001–2007 überprüft. Die Grabungen fanden keinen Tunnel.
- 2005 fanden Arbeiter das Original-Uhrwerk und hätten es beinahe als Müll entsorgt. Allein der Gong wiegt über 50 kg.
- Das älteste bekannte Bild des Turms ist eine Zeichnung von Auguste Raffet aus dem Jahr 1837, entstanden während der wissenschaftlichen Expedition des Grafen Demidoff.
- Die Glocke des Turms war eine von drei Bronzeglocken der Nikolauskirche von Giurgiu, gegossen aus dem Metall der 1829 bei Silistra eroberten Kanonen.
- Der sternförmige Straßenplan von Giurgiu mit dem Turm in der Mitte folgte dem Vorbild von Paris und wurde um 1877 eingeführt; die Stadtviertel waren auf den Plänen in fünf Farben markiert.
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Den Uhrturm von Giurgiu besuchen: Das lohnt sich
- Am besten sieht man den Turm vom Platz um ihn herum, wo sein sechseckiger Sockel und der hohe, schlanke Schaft über den umliegenden Gebäuden aufragen.
- Achten Sie darauf, wie die Hauptstraßen strahlenförmig vom Turm ausgehen: Er ist das Zentrum des historischen Sternplans von Giurgiu.
- Das originale Uhrwerk ist im Museum „Teohari Antonescu“ in Giurgiu ausgestellt, nicht im Turm selbst.
- Der Turm liegt etwa 60 km von Bukarest entfernt und lässt sich daher mit einem Tagesausflug aus der Hauptstadt verbinden. Ob das Innere besichtigt werden kann, geben die Quellen nicht an; prüfen Sie vor der Anreise die aktuellen Öffnungszeiten.
Öffnungszeiten, Zugang und Bedingungen können sich ändern. Bitte vorab prüfen.
Karte: Lage von Uhrturm von Giurgiu
Karte: © OpenStreetMap-Mitwirkende
Fotos: Uhrturm von Giurgiu



Fragen
Wo liegt der Uhrturm von Giurgiu?
Er steht im Zentrum von Giurgiu, einer Stadt an der Donau in Südrumänien, gegenüber von Bulgarien und etwa 60 km südlich von Bukarest.
Wer hat den Uhrturm von Giurgiu gebaut?
Die Osmanen errichteten ihn als Wachturm, Baubeginn 1770, Fertigstellung 1771, nach englischsprachigen Quellen. Eine Gründungsurkunde ist nicht erhalten.
War der Turm einmal ein Minarett?
Nein. Forscher des Museums „Teohari Antonescu“ haben diese Vermutung zurückgewiesen. Dokumente sprechen für einen Wachturm zur Beobachtung der Donau.
Gibt es Tunnel unter dem Turm von Giurgiu?
Eine örtliche Legende behauptet es, doch Grabungen rund um den Sockel bei der Renovierung 2001–2007 fanden keine Tunnel.
Wie hoch ist der Uhrturm von Giurgiu?
Er ist 22 Meter hoch und blieb bis in die kommunistische Zeit das höchste Gebäude der Stadt.
Wo befindet sich das originale Uhrwerk?
Es wurde 2005 bei der Renovierung gefunden und befindet sich heute im Museum „Teohari Antonescu“ in Giurgiu.
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